Franz Gabl zum Gedenken

  • In Sankt Anton hat er Skifahren gelernt, in Kanada und den USA den Skisport 
    etabliert
     
    Franz Gabl war der erste  Österreicher, der bei den alpinen Skiwettbewerben 
    eine olympische Medaille holte. Am 23. Januar ist er wenige Wochen nach seinem 
    92. Geburtstag in Bellingham/USA gestorben. 
     
    Februar 1948, Sankt Moritz. Die Crème de la crème des Wintersports ist in Sankt Moritz versammelt. Unter ihnen: Franz Gabl aus Sankt Anton am Arlberg. 
    26 Jahre alt, der Sohn des Malers, mit sechs Geschwistern aufgewachsen, dann 
    vier Jahre in Russland an der Front, mehrfach verwundet, aus der 
    Kriegsgefangenschaft geflohen. Er hatte die schlimmsten Gräuel der Menschheit 
    erlebt. Und genau dieser Franz Gabl sollte, lange bevor auch seine Nichte 
    Gertrud Gabl, Karl Schranz und Mario Matt der Welt zeigen sollten, dass der Arlberg nicht nur die Wiege des alpinen Skilaufs sondern auch die Wiege großer Skiläufer ist, all die Erwartungen erfüllen, die in ihn gesetzt worden waren: 
    Franz Gabl sollte der erste Österreicher werden, der eine olympische Medaille 
    im Skilauf gewann, eben 1948 bei den Olympischen Spielen in Sankt Moritz die 
    Silbermedaille in der Abfahrt. Eine Sensation.
    Doch eine Einnahmequelle, die einem jungen Skiläufer ein veritables Auskommen 
    sichern konnte, war der Skisport damals nicht. Es gab keine Werbeverträge oder 
    Auftritte in Talk Shows. In der Zeit nach dem Krieg gab es das, was für das 
    Leben notwendig aber oftmals zu knapp war. In einem Glückwunschschreiben des 
    Oesterreichischen Olympischen Comit  heißt es:  Es freut uns, Ihnen mitteilen 
    zu können, dass Ihnen 1 Paket Reis (5 Kilo) und 1 Paket Zucker (5 Kilo) 
    gewidmet wurde, welche Sie in Wien, Liechtensteinerstr. 43 beheben können.  In 
    den IX. Bezirk fuhr Franz Gabl nicht. Mindestens eine Tagesreise wäre das 
    gewesen. Dafür fuhr er 1950 mit der Skinationalmannschaft nach Aspen/Colorado 
    zu den Weltmeisterschaften. Sportlich blieb er zwar wegen der ungewohnten 
    Bedingungen hinter den Erwartungen zurück, wurde 9. im Slalom, 11. in der 
    Abfahrt und 36. im Riesenslalom, doch er konnte sich einen langgehegten Traum 
    erfüllen. Er wollte in den USA bleiben und dort sein Glück versuchen. 
    Franz Gabl hatte eine Kompetenz, die in Nordamerika rar war. Der berühmte 
    Hannes Schneider, der 1939 in die USA ausgewandert war, hatte Franz Gabl in 
    Sankt Anton das Skilehrern beigebracht.  Und durch die Skirennen hatte der 
    Franz viele Freunde und die haben ihm dann geholfen, sich dort drüben zurecht 
    zu finden , erzählt Gretl Gabl, seine Schwägerin. Auch ihr Mann, Pepi Gabl, 
    ebenfalls Skirennläufer, Tiroler Meister und mit der Nationalmannschaft bei 
    der Weltmeisterschaft in Aspen, arbeitete nach der WM noch ein paar Wochen als 
    Skilehrer in den USA. Doch während Pepi an den Arlberg zurückkehrte, blieb 
    Franz dort. 
    Zunächst ging Franz Gabl aber nach Kanada, wo ein Bekannter von ihm ein 
    Skigebiet bei Banff gekauft hatte. Dort arbeitete Franz Gabl zunächst als 
    Skischulleiter. Es dauerte nicht lange, dann wurde er Trainer des kanadischen 
    Frauenteams für die olympischen Spiele 1952 in Oslo. Vier Jahre später 
    bereitete er die kanadischen Herren auf die Winterspiele in Cortina d Ampezzo 
    vor. Nach seiner Arbeit als Trainer leitete er mehrere Skischulen: In Kanada   
    bei Montreal und Vancouver und in den USA in Michigan und am Mount Baker 
    (Washington). Auch Läden mit Sportartikeln baute er auf. Nach rastlosen Jahre, 
    "Wir wussten nie genau, wo er gerade war", erzählt seine Schwägerin, ließ er sich in den 70er-Jahren mit seiner Familie in der Nähe von Seattle/Washington nieder, wo er auch seinen Lebensabend verbrachte. Und er fand Zeit, all das, was er erlebt hatte, in zwei Bücher zu packen. Seine zweibändige Autobiographie wurde von der International Skiing History 
    Association mit einem Preis ausgezeichnet. Für seine Aufbauarbeit beim 
    Skisport im amerikanischen Nordwesten wurde er geehrt. Und auch vom Ski Club 
    Arlberg hat er eine Auszeichnung erhalten.  Die Republik  Österreich verlieh 
    ihm das Silberne Ehrenzeichen. 
    Doch auch nach mehr als sechs Jahrzehnten auf dem nordamerikanischen 
    Kontinent, hat er seine Tiroler Wurzeln nie ganz vergessen. Nicht nur sein 
    Akzent zeugte davon. An Schnaps und Schnitzel mit ihm erinnern sich seine 
    amerikanischen Freunde gern. Und an sein feines Lächeln und seinen guten 
    Humor. 
     
    Autorin: Stephanie Geiger